Deutschland verfehlt die EU-Sammelquote für Elektroschrott seit sechs Jahren in Folge. Die Zahlen werden schlechter, nicht besser – und Kabel fallen fast komplett durchs Raster.
29,5 Prozent. So viel Elektroschrott wurde in Deutschland im Jahr 2023 gesammelt. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 65 Prozent. Die Lücke ist gewaltig – und sie wächst.
Dabei ist das Problem nicht neu. Schon 2018 verfehlte Deutschland mit 43 Prozent die damals noch geltende Quote von 45 Prozent. Seit 2019 liegt die Messlatte bei 65 Prozent – und seitdem geht die Schere immer weiter auseinander. 2022 lag die Quote bei 32 Prozent, 2023 sank sie auf unter 30 Prozent.
Gleichzeitig werden jedes Jahr mehr Elektrogeräte verkauft. Mehr Geräte in den Haushalten, weniger davon im Recycling – das ist die Gleichung, die nicht aufgeht.
Nur 2 Prozent der gesammelten Altgeräte werden für eine Wiederverwendung aufbereitet. Der Rest wird geschreddert – oder landet gar nicht erst in der Sammlung.
Die Gründe sind keine Überraschung. Sie sind seit Jahren bekannt:
Die Deutsche Umwelthilfe bringt es auf den Punkt: Es werden immer mehr neue, oft unnötige Elektrogeräte verkauft, während die Sammelmenge auf ein nicht akzeptables Niveau gesunken ist.
Kabel sind ein Paradebeispiel für das Problem. Sie sind klein, leicht und scheinbar wertlos. Niemand fährt wegen drei USB-Kabeln zum Wertstoffhof. Also bleiben sie in der Schublade – oder landen im Restmüll.
Dabei gehören Kabel laut Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) zum Elektroschrott. Sie enthalten wertvolle Metalle wie Aluminium und andere Buntmetalle, die durch Recycling fast vollständig zurückgewonnen werden können. Was dabei passiert, erklärt der Recycling-Prozess.
Genau hier setzt das Kabelwerk Gronau an: Alte Kabel aller Art können per Post eingesendet werden – ohne Mindestmenge, ohne Entsorgungsgebühr. So werden Kabel, die sonst im Müll oder in der Schublade verschwinden, dem Recycling zugeführt. Ein kleiner Beitrag zur Sammelquote – aber einer, der funktioniert. Was dabei aus den Kabeln wird, steht im Artikel Was passiert mit alten Kabeln nach der Entsorgung.
Die EU schaut nicht mehr tatenlos zu. Weil Deutschland die Sammelquote dauerhaft unterschreitet, hat die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Das bedeutet: Deutschland muss erklären, warum es die EU-Vorgaben nicht einhält – und riskiert am Ende empfindliche Geldbussen.
Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb verbindliche Sammelziele für jeden einzelnen Hersteller, eine Wiederverwendungsquote von mindestens 15 Prozent und ein Verbot besonders kurzlebiger Produkte wie Einweg-E-Zigaretten.
Deutschland liegt bei der Elektroschrott-Sammelquote auf Platz 22 von 27 EU-Staaten. Gleichzeitig liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Elektrogeräten mit 33,9 Kilogramm deutlich über dem EU-Durchschnitt. Viel kaufen, wenig zurückgeben – das ist das deutsche Muster.
Die großen Hebel liegen bei der Politik und den Herstellern. Aber jeder Haushalt kann einen Beitrag leisten:
Mehr zur richtigen Entsorgung steht auf der Seite Wo alte Kabel entsorgen. Und warum es sich lohnt, zeigt der Urban-Mining-Artikel.
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Die Sammelquote lag 2023 bei nur 29,5 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben sind seit 2019 mindestens 65 Prozent. Deutschland verfehlt dieses Ziel seit sechs Jahren in Folge.
Viele Verbraucher werfen Elektroschrott in den Restmüll oder lagern ihn zu Hause. Die Wege zum Wertstoffhof sind oft zu weit und die Rückgabe im Handel zu wenig bekannt. Gerade Kleingeräte und Kabel fallen komplett durchs Raster.
Ja. Kabel zählen laut Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) zum Elektroschrott und gehören nicht in den Restmüll. Sie können am Wertstoffhof abgegeben oder per Post an das Kabelwerk Gronau gesendet werden.
Ja. Die EU hat bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil die Sammelquote dauerhaft unter dem vorgeschriebenen Mindestwert liegt.