Wareneingang Gronau · Behind the Scenes

Was mit deinem Kabel wirklich passiert –
der gläserne Recycling-Prozess

Du schickst ein Kabel ab – und wir sagen nicht nur "wir verwerten es". Hier siehst du konkret: welche Maschinen, welche Trennstufen, welche Reinheitsgrade. Vom Wareneingang in Gronau bis zum Metallgranulat in der Hütte.

>99,5 %
Metallreinheit
bis 97 %
Verwertungsquote
83 %
CO₂-Einsparung ggü. Primärmetall
7 Stufen
Verarbeitungsprozess
Schritt 01–02

Dein Paket landet in Gronau – so läuft der Eingang ab

Jede Sendung passiert zuerst die Waage. Das ist kein bürokratischer Akt – das Gewicht ist die Grundlage für die gesamte Mengenbilanz und die spätere Materialzuordnung.

Ein Kilogramm Mischkabel enthält je nach Typ zwischen 200 g und 600 g Metall – der Rest ist PVC-, PE- oder XLPE-Isolierung. Nach dem Wiegen werden Kabel nach Typen vorsortiert: Starkstromkabel, Datenkabel, Koaxialkabel und Spezialkabel landen in separaten Chargen.

Warum Vorsortierung zählt

Ein Koaxialkabel hat einen Metallkern von nur 1–2 mm, ummantelt von Schirmgeflecht und Folie. Wird es mit 16 mm²-Starkstromkabel granuliert, richten sich Schnittgröße und Siebparameter am falschen Material aus – das Ergebnis sind Metallverluste im Abfall und schlechtere Ausbeute.

ca. 35 %
NYM / NYY 3×1,5 mm²
Metallanteil am Gesamtgewicht
ca. 22 %
Cat 5e / Cat 6
+ Aluminiumfolie separat
ca. 58 %
NYY 4×16 mm²
Hoher Leiterquerschnitt
ca. 15 %
Koaxialkabel RG6
Schirmgeflecht anteilig
Der entscheidende Unterschied

Warum "Schreddern" nicht gleich Recycling ist

Dieser Punkt wird in der Branche oft verwischt. Ein Schredder zerkleinert Material. Eine Kabelgranulieranlage trennt Materialien. Das ist ein grundlegend anderer Prozess.

Einfaches Schreddern

Mischfraktion – minderer Wert

  • Metall und Kunststoff bleiben gemischt
  • Endprodukt: "Kabelschrot" – nicht sortenrein
  • Nachträgliche nass-chemische Trennung nötig
  • Deutliche Abzüge beim Metallerlös
  • Kunststoff-Fraktion kaum verwertbar
  • Kein zertifizierbarer Verwertungsweg
Kabelgranulierung

Sortenreine Fraktionen – Maximalwert

  • Metallgranulat > 99,5 % Reinheit
  • Kunststoff-Fraktion sortenrein (PVC, PE, XLPE)
  • Direktanlieferung an Metallhütten möglich
  • Nahezu Tagespreis für Elektrolytmetall
  • Kunststoffe an Regranulat-Hersteller
  • Verwertungsquote > 97 % zertifizierbar
Schritt 03–07

Die Kabelgranulierung – Stufe für Stufe

Der Kern des Verfahrens: mehrstufige mechanische Zerlegung, die physikalische Eigenschaften der Materialien nutzt – keine Chemie, keine Hitze, keine Qualitätsverluste.

⚙️
Schritt 03
Grobzerkleinerung – Einzug & Vorschneider
Kabel werden durch rotierende Messerwalzen auf Stücke von 5–30 cm Länge geteilt. Hier werden noch keine Materialien getrennt – der Vorschneider bereitet die Charge für die nachgelagerten Granulierwerke vor. Dicke Kabel (> 50 mm²) durchlaufen einen separaten Vorbrecher, der die Isolierung bereits mechanisch anlöst.
Schritt 04
Granulierwerk – Zerkleinerung auf 2–5 mm Korngröße
Das Granulierwerk besteht aus Schneidrotor und Gegenschneide (Edelstahlmesser). Die Rotordrehzahl bestimmt die Korngröße – je nach Einstellung 2 bis 5 mm. Das Ergebnis ist ein Granulat-Gemisch aus Metallpartikeln, PVC-Flitter und Folienresten. Die Materialien liegen nebeneinander vor – aber noch nicht getrennt.
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Schritt 05
Windsichtung – Luftseparation nach spezifischem Gewicht
Der Trenntrick: Luft. Im Windsichter wird das Granulat durch einen kontrollierten Luftstrom geführt. Metallkörner sind ca. 8,9 g/cm³ schwer, PVC-Flitter liegt bei 1,2–1,7 g/cm³. Der Luftstrom hebt leichte Kunststoffpartikel an und transportiert sie in eine separate Kammer, während Metall wegen seiner Dichte nach unten fällt. Diese physikalische Dichte-Trennung ist das Herzstück des Verfahrens.
📐
Schritt 06
Siebklassierung – Fraktionierung nach Korngröße
Das Metallgranulat durchläuft eine Siebanlage mit mehreren Siebdecks (typisch: 1 mm / 2 mm / 4 mm Maschenweite). Jede Fraktion hat einen anderen Reinheitsgrad – feine Fraktionen unter 1 mm können Restkunststoff enthalten und werden nachreinigt. Die "Hauptfraktion" 2–4 mm ist das hochreine Handelsgut, das direkt an Hütten gehen kann.
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Ergänzend
Magnetabscheider & Wirbelstromtrenner
Magnetabscheider entfernen Stahl- und Eisenbestandteile – relevant bei armierten Kabeln (SWA = Steel Wire Armoured) oder Erdkabeln mit Stahlbandmantel. Wirbelstromtrenner erzeugen ein Wechselmagnetfeld, das in Nichteisenmetallen Wirbelströme induziert und diese aus dem Materialstrom herausschleudert – so werden Buntmetalle und Aluminium bei gemischten Chargen sauber getrennt.
📦
Schritt 07
Abgabe an zertifizierte Metallhütten
Das fertige Metallgranulat wird in Big Bags abgefüllt, gewogen und mit Analysezertifikaten (Metallanteil, zulässige Fremdstoffe) versehen. Die Chargen gehen direkt an Metallhütten, die das Sekundärmetall einschmelzen und zu neuem Elektrolytmetall raffinieren. Dein Kabel schließt so den Wirtschaftskreislauf – vollständig.
Warum es zählt

Sekundärrohstoffe vs. Primärbergbau – die echte Bilanz

Metall aus Erz zu gewinnen ist energieintensiv. Sekundärmetall aus der Granulierung schlägt Primärproduktion in fast jeder Kategorie – hier sind die Zahlen.

~100 GJ/t
Energiebedarf Primärmetall
Bergbau → Pyrometallurgie → Raffination. Dazu: 100–200 t Abraum pro Tonne Metall.
~17 GJ/t
Energiebedarf Sekundärmetall
Granulierung → Umschmelzen → Raffination. Nur 17 % des Primäraufwands.
83 %
CO₂-Einsparung
Pro Tonne gegenüber Primärproduktion. Ca. 3,5 kg CO₂/kg Primär vs. 0,6 kg/kg Sekundär. Vollständige CO₂-Bilanz →
~45 %
Metall-Recyclingrate (D)
Anteil Sekundärmetall an der deutschen Neuproduktion – mit steigendem Bedarf durch E-Mobilität.
Sekundärrohstoff = Primärqualität

Metall ist theoretisch unbegrenzt rezyklierbar ohne Qualitätsverlust. Aus deinem alten NYM-Kabel kann in 6 Wochen ein neues Starkstromkabel werden – mit identischen elektrischen Eigenschaften wie Metall aus Primärerzen.

Struktureller Bedarf steigt

Ein E-Fahrzeug enthält ca. 80 kg Metall, eine Windkraftanlage 3–4 Tonnen pro MW. Deutschland ist auf Metallimporte angewiesen – hochreines Metallgranulat aus dem Inland ist ein echter Versorgungsbeitrag, nicht nur ein Umweltargument.

Ausnahme: Bleiummantelte Kabel

Ältere Kabel (Baujahr vor ca. 1990) können Blei als Schutzmantel haben. Diese Chargen werden gesondert behandelt und nicht in die Standardgranulierung gegeben, da Blei in der Schmelze zu Qualitätsverlusten führt. Bitte bei Verdacht kurz kennzeichnen oder anfragen – kostenlos.

Fachbegriffe – kurz erklärt

Die wichtigsten Begriffe aus dem Kabelrecycling, die du in Verwertungsnachweisen und Behördendokumenten findest.

Metallgranulierung / Kabelgranulierung
Mechanisches Trennverfahren, bei dem Kabel durch Zerkleinerung und physikalische Trennung (Windsichtung, Siebklassierung) in reine Metall- und Kunststofffraktionen aufgeteilt werden – ohne Chemie oder Hitze.
Sortenreine Trennung
Aufbereitung, bei der jede Materialfraktion (Metall, PVC, PE, Aluminium) separat anfällt. Nur sortenreine Fraktionen erzielen den vollen Marktpreis als Sekundärrohstoff und sind direkt weiterverarbeitbar.
Sekundärrohstoff
Material aus Recyclingprozessen, das als vollwertiger Ersatz für Primärrohstoffe (Bergbau, Erzgewinnung) eingesetzt wird. Bei Metall: qualitätsgleich mit Primärmaterial, deutlich ressourcenschonender.
Windsichtung / Luftseparation
Trennung von Granulat-Gemischen nach spezifischem Gewicht durch kontrollierten Luftstrom. Leichte Kunststoffpartikel (1,2–1,7 g/cm³) werden ausgeblasen, schwere Metallpartikel (8,9 g/cm³) fallen durch.
Wirbelstromtrenner
Magnetische Trennanlage für Nichteisenmetalle. Das Wechselmagnetfeld induziert Wirbelströme im Metall, die einen abstoßenden Effekt erzeugen und das Metall aus dem Materialstrom herausschleudern.
Elektrolytmetall / ETP-Metall
Metall mit >99,9 % Reinheit, gewonnen durch elektrolytische Raffination. Standard für Kabelleiter und Elektronikfertigung. Sekundärmetall aus der Granulierung wird in Hütten auf diesen Standard aufgereinigt.
Verwertungsquote
Anteil des Inputmaterials, das als Sekundärrohstoff in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Bei der Kabelgranulierung: 95–97 %, da Metall und Kunststoff nahezu vollständig verwertet werden.
ElektroG (Elektrogesetz)
Deutsches Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2012/19/EU. Regelt Rücknahme- und Verwertungspflichten für Elektro- und Elektronikaltgeräte – inklusive elektrischer Leitungen und Kabel. Was das ElektroG für dich bedeutet →

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Einfach einpacken, frankieren und absenden. Kein Anmelden, kein Warten – direkt an unsere Adresse.

Ressourcen
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Jedes
Kabel
zählt!
Kabelwerk Gronau
Unsere Versandadresse
Kabelwerk Gronau
Wareneingang
Achtenbuhr 12
48599 Gronau
Für eine saubere Zukunft. Danke!

Häufige Fragen zum Recycling-Prozess

Kann ich sehen, was mit meinem Kabel passiert?

Besichtigungstouren bieten wir aus versicherungs- und sicherheitstechnischen Gründen nicht an. Was wir stattdessen anbieten: diese Seite. Und auf Anfrage Verwertungsnachweise nach §22 KrWG sowie kreislaufwirtschaftsrechtliche Dokumentation für Gewerbetreibende.

Was passiert mit Kabeln mit unbekanntem Aufbau?

Unbekannte Kabel kommen in die allgemeine Mischkabel-Charge. Lediglich Kabel mit offensichtlichem Bleimantel (grau-schwerer Mantel, Baujahr vor 1990) solltest du separat kennzeichnen oder kurz anfragen – die gesonderte Behandlung ist kostenlos und verhindert Verunreinigungen in der Hauptcharge.

Bekomme ich einen Verwertungsnachweis?

Ja. Für Gewerbetreibende stellen wir auf Anfrage einen Verwertungsnachweis gemäß §22 KrWG aus. Der Nachweis dokumentiert Menge, Materialart und Verwertungsweg – ausreichend für steuerliche Dokumentation und betriebsinterne ESG-Berichte.

Wie lange dauert es von meinem Versand bis zur Verwertung?

Wareneingang und Vorsortierung erfolgen innerhalb von 1–3 Werktagen nach Paketankunft. Die Granulierung läuft chargenweise – je nach Aufkommen 1–2 Wochen nach Eingang. Von deiner Sendung bis zum Metallgranulat in der Hütte vergehen typisch 3–5 Wochen.

Werden wirklich alle Materialien verwertet?

Ja – bis auf wenige Ausnahmen. PVC und PE gehen als Regranulat weiter, Aluminium wird separat verwertet, Stahlarmierungen gehen an die Stahlverwertung. Lediglich stark schadstoffbelastete Altmaterialien (z. B. cadmiumhaltiges DDR-PVC) werden thermisch mit Energierückgewinnung verwertet, da Kontaminationen im Regranulat nicht tolerierbar sind.

Was ist mit Ladekabeln, USB-Kabeln, kleinen Gerätekabeln?

Alles willkommen. Auch wenn der Metallanteil bei Kleingeräte-Kabeln gering ist – jedes Gramm Metall, das recycelt statt verbrannt wird, schließt den Kreislauf. Einfach mit in den Karton.